Das barocke Meisterwerk am Main: Die Würzburger Residenz zählt zu den bedeutendsten Fürstenpalästen Europas und ist seit 1981 UNESCO-Welterbe.
Geschichte
Die Würzburger Residenz ist das Ergebnis eines der ehrgeizigsten Bauprojekte des europäischen Barock. Als der mächtige Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn 1719 das Amt übernahm, beauftragte er den jungen Baumeister Balthasar Neumann mit dem Entwurf eines Palastes, der die Würde und den Anspruch des Hochstifts Würzburg in Stein fassen sollte. Der Grundstein wurde 1720 gelegt; bereits wenige Jahre später entstand ein Bau, der führende Architekten aus Wien, Paris und Mailand in seinen Bann zog. Neumann ließ sich von Robert de Cotte und Germain Boffrand beraten, verarbeitete deren Anregungen jedoch zu einer eigenständigen, genuin fränkischen Synthese.
Nach dem Tod Johann Philipps setzte sein Bruder Friedrich Carl von Schönborn die Arbeiten konsequent fort. Unter dem letzten großen Bauherrn, Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau, wurden die Innenräume zwischen 1749 und 1753 durch den venezianischen Maler Giovanni Battista Tiepolo mit Fresken ausgestattet, die noch heute als Gipfelpunkt abendländischer Deckenmalerei gelten. Mit der Säkularisation 1803 endete die Epoche der Fürstbischöfe; die Residenz wechselte in den Besitz der bayerischen Krone und wurde fortan als Königsschloss und Staatsgästehaus genutzt.
Architektur & Lage
Balthasar Neumann schuf mit der Würzburger Residenz einen Dreiflügelbau von grandioser Weitläufigkeit, dessen Hauptfassade sich über mehr als 160 Meter erstreckt. Das Herzstück des Inneren ist das monumentale Treppenhaus: ein einziger, freitragender, dreischiffiger Raum, überspannt von einem Tonnengewölbe, das – nach Zeugnis Tiepolos und späterer Ingenieure – selbst dem Luftangriff von 1945 standhielt. Das Deckenbild, mit rund 677 Quadratmetern das größte zusammenhängende Fresko der Welt, versammelt allegorische Darstellungen der vier damals bekannten Kontinente um ein Bildnis des Baumeisters Neumann selbst.
Dem Treppenhaus folgt der Weiße Saal, eine zurückhaltende Meisterleistung des Stukkateurs Antonio Bossi, die als bewusste Atempause vor der Pracht des Kaisersaals konzipiert wurde. Der Kaisersaal, das zeremonielle Zentrum der Residenz, zeigt Tiepolos Fresken zur Geschichte des Hochstifts Würzburg in unvergleichlicher Leuchtkraft. Südlich und nördlich schließen sich Spiegelkabinett, Grünes Zimmer, Audienz- und Schlafzimmer an – Räume, die in ihrer geschlossenen Haltung den Übergang zum Rokoko markieren.
Die Residenz liegt unmittelbar in der Innenstadt Würzburgs, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Der weitläufige Hofgarten an der Südseite bietet nach dem Museumsbesuch Erholung unter alten Linden und vor barocken Bosketten. Hinter dem Palais ragt in der Ferne die Festung Marienberg auf, sodass eine Kombination beider Sehenswürdigkeiten an einem Tag problemlos möglich ist.
Besuch & Tipps
Der Eingang zur Residenz befindet sich am Residenzplatz, dem repräsentativen Ehrenhof. Audioguides sind in mehreren Sprachen erhältlich und empfehlenswert, da die Raumfolge ohne Erläuterung schwer zu entschlüsseln ist. Wer die Pracht des Treppenhauses im günstigsten Licht erleben möchte, sollte an einem sonnigen Vormittag kommen: Das Licht fällt dann durch die hohen Fenster direkt auf Tiepolos Fresko und lässt die Farben in voller Intensität erstrahlen.
Für Weinliebhaber ist ein Besuch im Weinkeller der Residenz ein besonderer Abschluss: Die Staatlichen Schlösser und Gärten betreiben hier eine der größten klostereigenen Weinkellereien Deutschlands. Franken ist eines der nördlichsten Weinbaugebiete des Landes, und der Würzburger Silvaner gehört zu den bekanntesten deutschen Weißweinen. In der angrenzenden Vinothek lassen sich die Weine direkt verkosten und erwerben.
Die Bayerische Schlösserverwaltung bietet regelmäßig Sonderführungen, Konzerte im Kaisersaal und Veranstaltungen im Hofgarten an. Das Mozartfest Würzburg, eines der ältesten deutschen Musikfestspiele, findet traditionell in den prunkvollen Räumen der Residenz statt und ist ein kulturelles Ereignis von europäischem Rang. Eintrittskarten dafür sollten frühzeitig reserviert werden.
- Größtes zusammenhängendes Deckenfresko der Welt von Giovanni Battista Tiepolo im Treppenhaus
- Weißer Saal und Kaisersaal – Meisterwerke des fränkischen Barocks
- UNESCO-Welterbe seit 1981, eines der bedeutendsten Barockbauwerke Europas
- Prachtvoller Hofgarten im barocken Stil mit Orangerie
- Sammlungen von Gemälden, Möbeln und fürstbischöflichen Kunstschätzen
Ist die Würzburger Residenz im Zweiten Weltkrieg zerstört worden?
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Bildnachweise (1)
- Würzburger Residenz: Foto Wikimedia Commons , siehe Quelle