Weithin sichtbar über Heidelberg thront das Schloss aus rotem Sandstein – Deutschlands berühmteste Ruine und Sinnbild der Romantik schlechthin.
Geschichte
Das Heidelberger Schloss gehört zu den bedeutendsten Schlossbauwerken Deutschlands und ist zugleich sein bekanntestes Ruinenensemble. Die Geschichte der Anlage beginnt im frühen 13. Jahrhundert, als die Wittelsbacher Kurfürsten von der Pfalz auf dem Schlossberg oberhalb der Stadt Heidelberg erste Befestigungsanlagen errichteten. Im Laufe der folgenden vier Jahrhunderte entstand durch sukzessiven Ausbau eine der prächtigsten Residenzen des Heiligen Römischen Reiches.
Seinen Höhepunkt erlebte das Schloss unter Kurfürst Ottheinrich (1556–1559), der einen der wichtigsten Renaissancebauten nördlich der Alpen errichten ließ, sowie unter Friedrich V., der 1613 im Rahmen seiner Vermählung mit der englischen Königstochter Elisabeth Stuart den berühmten Hortus Palatinus anlegen ließ – einen als achtes Weltwunder gerühmten Barockgarten. Der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688/1693) brachten schwere Verwüstungen; zweimal wurde die Anlage von französischen Truppen gesprengt und gebrandschatzt. Ein Blitzschlag 1764 setzte den letzten noch bewohnbaren Trakt in Brand und besiegelte den Verfall zur romantischen Ruine.
Architektur & Lage
Das Schloss erhebt sich auf dem nördlichen Ausläufer des Königsstuhls, rund 80 Meter über der Heidelberger Altstadt, und bietet einen unvergleichlichen Blick über das Neckartal. Die Anlage vereint Baustile aus nahezu fünf Jahrhunderten: Gotische Türme und Kellergewölbe des 14. Jahrhunderts stehen neben dem frühbarocken Englischen Bau und dem Ottheinrichsbau, dessen fassadenhohe Figurenpilaster und fein gearbeitete Sandsteinreliefs als Meisterwerk der deutschen Renaissance gelten.
Besonders eindrucksvoll ist der monumentale Altan, eine mächtige Aussichtsterrasse, von der aus sich die gesamte Stadtlandschaft mit dem Neckar, der Alten Brücke und den Weinbergen erschließt. Das weithin sichtbare rote Sandsteinmauerwerk – teils zerborsten, teils moosbewachsen, teils noch in seiner historischen Intaktheit – verleiht der Ruine jenen pittoresken Charakter, der Generationen von Romantikern, Dichtern und Malern inspiriert hat. Victor Hugo, Mark Twain und Friedrich Hölderlin ließen sich von Heidelberg und seinem Schloss gleichermaßen verzaubern.
Besuch & Tipps
Der Hauptzugang zum Schloss erfolgt über die historische Heidelberger Bergbahn, deren untere Strecke (Kornmarkt–Schlossberg) seit 1890 in Betrieb ist und als älteste elektrische Standseilbahn Deutschlands gilt. Das kombinierte Bergbahnticket schließt den Eintritt in den Schlosshof ein; für den Besuch der Innenräume, des Großen Heidelberger Fasses und des Deutschen Apotheken-Museums wird ein separates Schlossticket gelöst.
Wer das Schloss in besonderer Atmosphäre erleben möchte, sollte einen der Termine der Heidelberger Schlossbeleuchtung im Kalender markieren: Dreimal jährlich – im Juni, Juli und September – wird die Ruine von bengalischem Feuer in rötlich-goldenes Licht getaucht und mit einem Feuerwerk über dem Neckar inszeniert. Für Kinder lohnt sich der Besuch des Apothekenmuseums mit seinen historischen Laborräumen und der einzigartigen Sammlung pharmazeutischer Geräte aus fünf Jahrhunderten.
Praktisch: Das Schlosscafé und das Schlossrestaurant bieten Verpflegung mit Blick auf die Altstadt. Früh am Morgen oder gegen Abend ist das Gedränge der Tagestouristen am geringsten – und das Licht für Fotos am schönsten.
- Panoramablick über die Altstadt und das Neckartal von der Schlossterrasse
- Ottheinrichsbau – Glanzstück der deutschen Renaissancearchitektur
- Großes Heidelberger Fass: ein Weinfass mit 221.726 Liter Fassungsvermögen
- Schlossbeleuchtung und Feuerwerk mehrmals jährlich
- Deutsches Apotheken-Museum im Apothekerflügel
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Bildnachweise (1)
- Heidelberger Schloss: Foto Wikimedia Commons , siehe Quelle